Wenn Eltern ihr neugeborenes Kind im Arm halten, gehen ihnen viele Gedanken, Pläne, Hoffnungen und Wünsche für das gemeinsame Leben und seine Zukunftsaussichten durch den Kopf. Wenn hörende Eltern im Laufe der Zeit von der Hörschädigung ihres Kindes erfahren, lösen sich all diese Pläne plötzlich in Luft auf und der Boden scheint unter den Füßen vollkommen weg zu brechen. Auf der Suche nach Hilfe erfahren die Eltern häufig, dass mit einer guten und schnellen technischen Versorgung und viel Lautsprachtraining das Kind doch noch "eine Zukunft haben" kann.

Seit Beginn der 90iger Jahre wird die Aufmerksamkeit der Eltern auf eine neue elektronische Hörhilfe gerichtet, das Cochlear Implant (CI). Mit Hilfe dieser Technik, so wird häufig betont, kann die Gehörlosigkeit des Kindes überwunden werden. Die Anzahl der Kinder mit einem CI nimmt in allen europäischen Ländern rasant zu, die Zahl der in Deutschland operierten Kinder ist am größten.

Vor der Gebärdensprache werden die Eltern fast immer gewarnt. Es wird behauptet, ihr Erwerb verhindert die Entwicklung der Lautsprache und führe das Kind in die Isolation. Kaum eine Familie wird dazu angeregt, auch mit gehörlosen Erwachsenen Kontakt aufzunehmen.

Ein Vater eines erwachsenen Gehörlosen, Peter Donath, ehemals Vorsitzender des Elternverbandes Deutscher Gehörlosenschulen e. V. (heute Bundeselternverband gehörloser Kinder e. V.), legte viel Wert auf die Beteiligung erwachsener Hörgeschädigter bei der Elternberatung. Er warnte schon 1997 vor einer Einengung des Blickwinkels der Eltern durch die Versprechungen der Medizin und Technik und sagte mit Blick auf die Gehörlosen: "Sie helfen den Eltern, ihre Kinder anzunehmen, mit ihnen zu leben, sie bereichern uns, wenn wir sie und ihre Erfahrungen in unsere Blickwinkel einbeziehen."

Diesen Gedanken griffen wir auf und meinen, dass eine Begegnung zwischen Familien mit einem gehörlosen oder schwerhörigen Kind und gehörlosen Menschen - getragen von Respekt - für beide Seiten sehr viel bringen kann.

Wir erlebten interessante Zusammentreffen und nachdem die Zusammenführung der ersten Familie mit einem gehörlosen Erwachsenen sehr positive Reaktionen erbrachte, entschieden wir uns, eine Initiative zu gründen.

Die Initiative GIB ZEIT wurde 1998 gegründet. Bereits nach wenigen Monaten wurde der Kreis der Familien und auch der Kreis der gehörlosen Familienbegleiter größer. Um eine festere und auch finanziell gesicherte Struktur zu erhalten, wurde aus der Initiative von 2000- 2002 ein dreijähriges Modellprojekt in der Trägerschaft des Landeselternverbandes Deutscher Gehörlosenschulen in Nordrhein-Westfalen e.V.